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Bild: © M. Roggo – roggo.ch

Laichzeit! Natürliche Fortpflanzung von Fischen in Fliessgewässern

Im Frühjahr erwacht unter klaren Schweizer Bächen ein verborgenes Schauspiel: Forellen graben Kiesgruben, legen Eier und sichern das Überleben ganzer Generationen. Doch begradigte Flüsse, Kraftwerke und steigende Hochwasser bedrohen diese Brutstätten. Unser Partner FIBER liefert Daten aus 400 Gewässern, zeigt notwendige Bedingungen und unterstützt gezielte Aufwertungsmassnahmen – von restaurierten Laichplätzen am Boiron de Morges bis zu freiwillig gepflegten Gruben im Sarnersee.

Wenn Fische ihre Eier ablegen, ist dies eine der wichtigsten Zeiten in ihrem Leben: die Laichzeit. Sie ist kurz, intensiv und entscheidet über die Zukunft ganzer Fischgenerationen. Die Eier werden an Wasserpflanzen, im offenen Wasser, in Höhlen oder sogar in Grossmuscheln abgelegt. Die meisten Arten in der Schweiz bevorzugen jedoch den Kies von Flüssen und Bächen. Dabei gestalten die Fische aktiv ihren Lebensraum: Forellen etwa schlagen mit der Schwanzflosse Laichgruben in den Kies, in denen sie ihre Eier ablegen und so gut mit Sauerstoff versorgen.

Fische, die im Kies laichen, haben es heute jedoch oft schwer, da viele geeignete Laichplätze verloren gegangen sind. Begradigte, verbaute und eingeengte Fliessgewässer bieten wenig Struktur und schlechtere Bedingungen zum Laichen und für die Entwicklung der Jungfische als natürliche Gewässer. Wasserkraftwerke beeinträchtigen den natürlichen Kiestransport und erschweren vielen Fischen den Aufstieg zu ihren Laichplätzen. Und Winterhochwasser, die mit dem Klimawandel zunehmen, können den Laicherfolg eines Jahres zunichte machen. Deshalb sind der Schutz und die Aufwertung von Laichgebieten so dringend notwendig.

In diesem Themenbereich dreht sich alles um die natürliche Fortpflanzung kieslaichender Fische. Sie dokumentiert das Seminar «Thema Laichzeit: Monitoring, Besatz & Aufwertungen – Wo sollen wir ansetzen?» der Schweizerischen Fischereiberatungs-stelle FIBER vom 31. Januar 2026. Lange Zeit wurde das natürliche Laichverhalten der Fische in der Schweiz nur wenig untersucht. Diese Lücke schliesst die FIBER seit 15 Jahren mit dem «Programm Laichzeit». Die Daten aus rund 400 Gewässern und über 15.000 kartierten Laichgruben zeigen heute, welche Bedingungen Forellen für eine erfolgreiche Fortpflanzung benötigen. Diese Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage, um Aufwertungsmassnahmen gezielt zu planen und die Bewirtschaftung von Fliessgewässern – etwa Besatz und Fischerei – anzupassen.

Die Artikel dieser Themenseite machen deutlich, warum die Aufwertung natürlicher Lebensräume mehr bewirkt als Besatzmassnahmen. Konkrete Beispiele zeigen, wie am Boiron de Morges am Genfersee Laichgebiete wieder zugänglich gemacht wurden oder wie in Zuflüssen des Sarnersees Fischer:innen mit freiwilligem Engagement Kiesgruben aufgewertet haben.

Tauchen Sie mit dieser Lektüre ein in die spannende Welt der Laichzeit von Fischen. Beobachten Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang zur kalten Jahreszeit entlang von Bächen und Flüssen deren kiesigen Grund. Vielleicht entdecken Sie eine helle, ovale Forellen-Laichgrube im Kies – und mit viel Glück sogar Fische beim Laichen.

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Ein typischer Kieslaichplatz für Fische in einem klaren Bach der Schweiz: Perfekt für Fische in der Laichzeit
15 Jahre Kartierung von Forellen-Laichgruben

Kenntnisse über die natürliche Fortpflanzung von Fischen sind zentral, um Bestände einzuschätzen und Schutzmassnahmen zu entwickeln. Zahlreiche Mitwirkende aus der Fischerei halfen in den letzten 15 Jahren, ein Inventar von Forellen-Laichgruben in Fliessgewässern zu erstellen.

Die wunderscjäne Landschaft der Emme: In der Laichzeit ist diese hervorragend für Fische ausgelegt.
Natürliche Prozesse als Grundlage für gute Kieslaichplätze

Kieslaichende Fische sind auf geeignete Kieslaichplätze angewiesen, um ihre Bestände langfristig selbst zu erhalten. Menschliche Eingriffe in die Gewässer haben diese Lebensräume vielerorts zerstört.

Zeitschrift: Laichzeit!

Natürliche Fortpflanzung von Fischen in Fliessgewässern

In der Dokumentation des FIBER-Seminars zeigen wir in der Zeitschrift aqua viva, wie es um die natürliche Fortpflanzung kieslaichender Fische steht. Im Fokus der Themen stehen Monitoring, Besatz und Aufwertungen. Die Artikel behandeln die Leitfrage: Wo sollen wir ansetzen?
Portraitbild Köbi Gantenbein

«Die Zukunft unserer Fliessgewässer entscheidet sich nicht nur in Konzepten und Gesetzen, sondern vor allem im konkreten Handeln vor Ort. Als Fischerinnen und Fischer haben wir es in der Hand, Lebensräume aktiv zu verbessern und natürliche Prozesse wieder zu ermöglichen. Projekte wie ‹Fischer schaffen Lebensraum› zeigen, wie bereits im kleinen Rahmen mit Fachwissen, Engagement und Zusammenarbeit gezielte Massnahmen eine spürbare ökologische Wirkung entfalten. Dieses gemeinsame Anpacken ist entscheidend für gesunde Gewässer und vielfältige Fischbestände in der Schweiz.» 

Daniel Jositsch, Präsident Schweizerischer Fischerei-Verband

 

Wie Lebensraum, Wasserqualität und Durchgängigkeit den Fischbestand bestimmen

Sehen Sie sich an, wie Erfolg von Fortpflanzung und Bestandsentwicklung in der Schweiz vom Zusammenspiel aus geeignetem Lebensraum, sauberem, kaltem Wasser und einer durchgängigen Gewässerstruktur abhängt. Kiesige Bäche mit natürlicher Strömung und strukturierten Ufern bieten den zentralen Laich‑ und Jungfischhabitat, sind jedoch besonders empfindlich gegenüber Gewässerverbauung, Feinsediment‑Eintrag und Schadstoffbelastungen.

Unterschiedliche Laichzeiten und Temperaturansprüche verdeutlichen, dass Arten sich nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich an ihre Umwelt anpassen. Klimawandel oder veränderte Abflussregime können diese feinen Abstimmungen leicht stören.

Die Zahlen zur Forelle belegen, wie wichtig lange Wanderstrecken, tiefe, kühle Abschnitte und große, fruchtbare Elterntiere für den Nachwuchs sind – Faktoren, die durch Renaturierung, Rückbau von Hindernissen und Sicherung kühler Zuflüsse verbessert werden können.

Kurz gesagt: Der Schutz kleiner Bäche, die Wiederherstellung natürlicher Kiesstrecken und die ökologische Aufwertung unserer Fließgewässer sind entscheidende Hebel, um stabile, artenreiche Fischbestände in der Schweiz zu erhalten.

Zeichnung See und Berg
Graphik Pflanzliche Vielfalt von Gletschervorfeldern mit verschiedenen Pflanzengesellschaften
Graphik Dynamische Gletschervorfeler, Artenzahl in Abhängigkeit von Jahre Eisfreiheit
Diagramm seltene Wasserinsekten im Trift-Gebiet

Hintergründe

Spuren der Fischwanderung und die Bedeutung für Seeforellengewässer

Von Jakob Brodersen und Andrin Krähenbühl
Seeforellen im klaren Wasser

Grosse Seeforellen bringen als fruchtbare Elterntiere viele Nachkommen in die Seezuflüsse, aus denen sowohl See- als auch Bachforellen entstehen. Seeforellenbestände unterscheiden sich sowohl zwischen verschiedenen Seen als auch zwischen verschiedenen Seezuflüssen innerhalb eines Sees. Vielfältige genetische Muster, dank denen Seeforellen an lokale Umweltbedingungen angepasst sind, sollten bei der Bewirtscha!ung berücksichtigt werden.

Die Forelle macht’s selbst

Von Nicolai Meier
Jungfischbesatz in Zürcher Gewässer

Eine breit angelegte Untersuchung in kleinen Zürcher Fliessgewässern zeigt Erfreuliches: Schmale Bäche beherbergen erstaunlich viele junge Forellen und das ganz ohne Besatz. Die Ergebnisse verdeutlichen eindrücklich, wie wichtig intakte, naturnahe Gewässer für den Erhalt stabiler Forellenbestände sind. Gleichzeitig stellen sie die bisherige Bewirtschaftungspraxis in Frage und regen zu einem grundlegenden Umdenken an.

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Salome Steiner

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