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Zu viel Wasser? Naturgefahren im Zeichen des Klimawandels
Der Klimawandel verändert den Wasserhaushalt der Schweiz mit weitreichenden Folgen für Mensch, Natur und Infrastruktur. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Zunahme wasserbedingter Naturgefahren wie Starkregen, Hochwasser und Murgänge. Im Rahmen der Fachtagung am 11. November 2025 in Bern diskutierten wir, wie wir diesen Gefahren begegnen können. Ziel der Tagung war es, den bestehenden Handlungsbedarf im Umgang mit wasserbedingten Naturgefahren aufzuzeigen und Wege zu diskutieren, wie Anpassungsmassnahmen wirksam, ökologisch vorteilhaft und gesellschaftlich akzeptiert umgesetzt werden können.
Der Klimawandel verändert den Wasserhaushalt der Schweiz mit spürbaren Folgen für Natur, Mensch und Infrastruktur. Besonders sichtbar ist die Zunahme wasserbedingter Naturgefahren: Zwischen 1972 und 2023 verursachten Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse durchschnittlich rund 306 Millionen Franken Schaden pro Jahr, wobei über neunzig Prozent auf Hochwasser und Murgänge zurückgingen. Ein sorgfältiger Umgang mit unseren Gewässern kann jedoch dazu beitragen, die Risiken solcher Ereignisse deutlich zu mindern. Wo Flüsse und Bäche naturnah fliessen und genügend Raum erhalten, sinkt die Hochwassergefahr spürbar. Zudem folgen Murgänge meist bestehenden Bachbetten, wodurch verbreiterte und durchgängige Gewässerräume das Schadensrisiko wesentlich reduzieren können.
Vor diesem Hintergrund diskutierten wir an der Fachtagung, wo und wie sich Synergien zwischen Katastrophen- und Gewässerschutz sinnvoll nutzen lassen. Unter anderem zeigte Manuela Brunner von der ETH Zürich und dem SLF auf, wie der Klimawandel die wasserbedingten Naturgefahren verändert und welche Rolle Schneeschmelze, Bodenfeuchte und Starkregen dabei spielen. Sie schloss daraus, dass wir uns mit geeigneten Schutzmassnahmen und gesellschaftlichen Anpassungen an wachsende Gefahren anpassen können.
Anna-Gesa Meier von Holinger AG führte in das Konzept der Schwammstadt ein, das Regenwasser als Ressource begreift und mit ganzheitlichen, kaskadenartigen Lösungen arbeitet. Entscheidend sind eine frühzeitige Planung, geringe Belastungen, das Mitdenken von Extremereignissen und multifunktionale Flächen. Anhand von Praxisbeispielen aus dem Kanton Bern erläuterte Jörg Bucher, wie Städte und Gemeinden profitieren, wenn sie Hochwasserschutzprojekte mit Revitalisierungen kombinieren. Weitere Referent:innen zeigten zusätzliche Perspektiven, Massnahmen und Erfahrungen aus Forschung und Praxis auf.
Durch die verschiedenen Beiträge wurde klar, wie wichtig integrative Ansätze sind, bei denen Naturgefahrenprävention und Gewässerschutz nicht getrennt betrachtet, sondern miteinander verbunden werden. Auf diese Weise entstehen Lösungen, die langfristig mehr Sicherheit, mehr Natur und mehr Lebensqualität schaffen.
Präsentationen
Wie beeinflusst der Klimawandel wasserbedingte Naturgefahren?
Manuela Brunner, ETH Zürich und WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF
Präsentation nicht online verfügbar
Wie gehen wir mit wasserbedingten Gefahren um? Entwicklung der aktuellen Naturgefahrenpolitik
Franziska Schmid, Planat
Handlungsbedarf zur Naturgefahrenprävention aus Sicht der Versicherungswirtschaft
Alain Marti, VKG
Umgang mit Regenwasser im Siedlungsraum
Ueli Sieber, Stadt Winterthur
Schwammstadt: Konzept, Massnahmen und Wirkungen
Anna-Gesa Meier, Holinger AG
Praxisbeispiel: Hochwasserschutz und Gewässerrevitalisierung
Jörg Bucher, Kanton Bern
Konzept Schwammland
Andreas Widmer, Emch & Berger
Das erste Jahr nach dem Murgangereignis am Milibach in Brienz (BE): Ereignisanalyse und Massnahmenkonzept
Jana Hess, Flussbau AG
Alpine Massenbewegungen im Zeichen des Klimawandels – Stand der Forschung mit Perspektiven für Murgänge und Gefahrenhinweiskarten
Alexander Bast & Feiko Van Zadelhoff, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF
Präsentation nicht online verfügbar
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